Die Zukunft gehört dem „Real-Digitalen”

Veröffentlicht am: 24.05.2017

Digitalisierung ist in der Krise! Der zweifelhafte Umgang mit Cybermobbing, Hasspostings sowie Statistiken kratzt am Image einer Branche, die jahrelang als die Zukunft der Kommunikation gefeiert wurde. Zukunftsforscher Matthias Horx, der als Keynote Speaker beim ersten Druck- & Medienkongress in Linz auftrat, sprach von der Rache des Analogen und dem Megatrend hin zu greifbaren Print-Produkten. 160 Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Druck-, Medien- und Kommunikationsbranche waren der Einladung des Verbandes Druck & Medientechnik nach Linz gefolgt.

Gleich am Beginn seiner Präsentation schaffte es Matthias Horx das Publikum auf seine Seite zu bringen, indem er meinte, „dass Sie alle eigentlich gar nicht da sein dürften“. Damit bezog er sich auf die in den letzten Jahren immer wieder kommunizierte Meinung, dass die Druckindustrie zum Sterben verurteilt sei. Und siehe da, sehr viele durchaus lebendige Branchenvertreter folgten der diesjährigen Einladung des Verbandes nach Linz. „Wir reden immer von der digitalen Transformation, aber wir schauen dabei wenig darauf, wie sich die analogen Sektoren modernisieren und verändern“, sagte Horx. Die jungen digital Natives, die bereits mit Smartphone & Co aufgewachsen sind, werden in den nächsten Jahren ihre Lust auf Facebook & Co deutlich reduzieren und durchaus auch wieder Bücher lesen. Viele Online-Aktivitäten sind stagnierend bis rückläufig, es mehren sich die Anzeichen, dass die Sozialen Medien ihren Zenit bereits überschritten haben. E-Books haben in den USA mit 25 Prozent Marktanteil einen vorläufigen Zenit erreicht und blieben damit deutlich unter den Erwartungen von Experten. Das Digitale befindet sich mit dem Analogen in einem gegenseitigen Veränderungsprozess, einer Co-Evolution, die Zukunft gehört dem „Real-Digitalen”, der geschickten und nützlichen Verbindung beider Welten, betont der Zukunftsforscher. Moderne Print-Produktion ist ohne digitale Technik gar nicht möglich. Das führt auch dazu, dass Gedrucktes heute individueller und preiswerter und dabei qualitativ noch besser ist.

Chance Print
Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbandes Österreichische Zeitungen, VÖZ, ist davon überzeugt: „Je höher die Informationsflut, desto wichtiger werden Print-Medien, die Orientierung stiften und Vertrauen schaffen.“ Gerald Watzal, Präsident des Verbandes Druck & Medientechnik ergänzte: „Gedruckte Information bietet einen Anker, weil sie von den Konsumenten hochwertiger wahrgenommen und stärker mit Qualität und Glaubwürdigkeit assoziiert wird als Online-Information. Mit dem Werkzeug Druck alleine ist es allerdings nicht getan. Es braucht Konzepte, denn Kunden kaufen Lösungen. Das Werkzeug ist nur ein Mittel dorthin. Es liegt an uns Druckereien, dass wir Lust auf Gedrucktes machen.“ Um neue Chancen für Print ging es auch bei der hochkarätigen Podiumsdiskussion. Zukunftsforscher Matthias Horx, Stefan Achter, Managing Director bei Dataform, dem Österreich-Pionier für gedruckte Daten, Jürgen Polterauer, CEO der Agentur Dialogschmiede und Rainer Reichl, CEO der Werbeagentur Reichl & Partner, diskutierten über die geänderten Bedürfnisse von Kunden und neuen Chancen für die Druckbranche.
Foto links (v.l.n.r.): Gerald Watzal (Präsident VMDT), Jürgen Polterauer (Dialogschmiede), Heinz Friedrich (Landesgruppenobmann), Alexandra Zotter (GF VMDT), Bernd Achter (Dataform), Rainer Reichl (Reichl & Partner), Kurt Kribitz (Vizepräsident VDMT). © Verband Druck & Medientechnik / Katharina Roßboth
Foto rechts: Matthias Horx. © Verband Druck & Medientechnik / Katharina Roßboth

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Kommentar

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