Konjunkturindikator kurzzeitig aufgehellt

Veröffentlicht am: 19.01.2021

Nach dem Einbruch im November hat sich die Stimmung in der österreichischen Wirtschaft vor dem Jahreswechsel wieder etwas aufgehellt. Aber: das pandemiebedingte Auf und Ab der österreichischen Wirtschaft geht weiter.

Der Verschlechterung der Konjunkturstimmung mit Beginn des zweiten Lockdowns folgte dank der Lockerung der Maßnahmen vor Weihnachten wieder eine Verbesserung des Wirtschaftsklimas. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im Dezember auf -1,1 Punkte gestiegen“, so UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Im Dezember wiesen erstmals seit Mitte 2017 alle Komponenten des Indikators auf eine Verbesserung der Konjunkturlage hin. „Das Konjunkturklima hat sich knapp vor Beginn des neuen Jahres auf breiter Basis verbessert. Die seit einiger Zeit zu beobachtende Aufspaltung der österreichischen Wirtschaft hat sich dabei jedoch nicht verändert. Während sich der Produktionssektor trotz Beschränkungen auf einem anhaltenden Wachstumskurs befindet, sind große Teile des Dienstleistungssektors in einem Wellenbad der Pandemiemaßnahmen gefangen“, so Bruckbauer.
Der im Sommer eingesetzte Aufschwung der österreichischen Industrie hat sich bis zum Jahresende 2020 ungebrochen fortgesetzt. Die Stimmung im Sektor wird von den Unternehmen wieder ähnlich wie vor dem Ausbruch der Pandemie eingeschätzt, unterstützt durch die Belebung im globalen Handel. Allerdings beginnen sich die positiven Impulse aus dem Exportgeschäft, das aktuell durch eine Erholung in Asien angetrieben wird, etwas abzuschwächen. Mehr Fahrt aufgenommen hatte zum Jahresende hingegen die Bauwirtschaft, die auf gut gefüllte Auftragsbücher zurückgreifen kann. Mit einer etwas verbesserten Verbraucherstimmung und der Lockerung für den Handel vor Weihnachten im Rücken hat sich auch das Konjunkturklima im Dienstleistungssektor gegenüber dem November aufgehellt, weiterhin herrscht allerdings starker Pessimismus vor, der wohl nun durch die neuen Lockdown Bestimmungen verstärkt werden wird.
Im Durchschnitt der vergangenen drei Monate erreichte der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator einen Wert von -1,6 Punkten, knapp unter dem Vergleichswert vom dritten Quartal. Der Indikator signalisiert damit eine Abschwächung der Wirtschaft gegen Ende 2020. „Wir gehen davon aus, dass die österreichische Wirtschaft Ende 2020 in eine neuerliche Rezession geschlittert ist, sodass sich im Gesamtjahr 2020 ein Einbruch der Wirtschaftsleistung von mehr als sieben Prozent ergeben haben dürfte. Damit war der BIP-Rückgang im Corona-Jahr 2020 etwa doppelt so stark wie im Jahr der Finanzkrise 2009“, meint Bruckbauer.
Die jüngste Verbesserung des Konjunkturklimas im Österreich war nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria jedoch nur temporär. Angesichts der anhaltenden Infektionswelle und der neuerlichen Verschärfung des Lockdowns nach den Weihnachtsfeiertagen startete die österreichische Wirtschaft unter erschwerten Rahmenbedingungen ins Jahr 2021, die weiterhin insbesondere die Erbringung von Marktdienstleistungen, wie vor allem die Beherbergungs- und Gastronomiebranche beeinträchtigen.
Die Industrie und die Bauwirtschaft starten dagegen unter vergleichsweise günstigeren Voraussetzungen ins neue Jahr. Über den größten Teil des Winters ist aufgrund der Pandemie noch von einer schwachen, teilweise rückläufigen Wirtschaftsentwicklung auszugehen. Erst mit dem wärmeren Wetter und der flächendeckenden Durchimpfung der Bevölkerung im Laufe des kommenden Sommers werden die beschränkenden wirtschaftlichen Maßnahmen weitgehend verschwinden können.
Der weitere Erholungsverlauf wird neben der Verfügbarkeit von Impfstoffen und der tatsächlichen Normalisierung des Wirtschaftslebens vom Ausgabeverhalten der Haushalte bzw. der Investitionsbereitschaft der Unternehmen abhängen. Nach der Verdoppelung der Sparquote während der Pandemie wird einerseits eine anhaltende Verunsicherung der Haushalte bestehen bleiben und nur einen allmählichen Rückgang der Sparquote und vice versa eine sehr begrenzte Erholung des Konsums zulassen.
Andererseits ist mit der Befreiung aus der Pandemie der Ausbruch einer Feierstimmung nicht auszuschließen, die ein Konsumfeuerwerk auslöst. Im Unternehmenssektor besteht das Risiko, dass als Reaktion auf die gestiegene Verschuldung während der Pandemie eine Phase des Schuldenabbaus mit starker Investitionsbeschränkung eingeleitet wird. Andererseits besteht eine große Notwendigkeit, die während der Pandemie zurückgestellten Investitionen nachzuholen und das günstige Finanzierungsumfeld zu nutzen.
Nach sehr moderaten Werten zu Jahresbeginn wird die Inflation im weiteren Verlauf des Jahres 2021 ansteigen. Dafür ist zum einen die Entwicklung des Ölpreises maßgeblich, der im Vorjahr ab März mit Ausbruch der Pandemie durch den starken Einbruch auf zwischenzeitlich deutlich unter 30 Euro pro Barrel die Teuerung spürbar gedämpft hat. Ab dem Frühjahr wird daher ein starker Basiseffekt verursacht durch den Ölpreis die Inflation anziehen lassen. Zum anderen ist davon auszugehen, dass die erwartete Konjunkturbelebung nachfragebedingt zu einer höheren Preisdynamik insbesondere in verschiedenen Dienstleistungsbereichen führen wird. Insbesondere die Öffnung des Beherbergungs- und Gastronomiebereichs könnte die heimische Inflation temporär spürbar beeinflussen. Trotz des klaren Aufwärtspotenzials der Inflation in Österreich ab dem Frühjahr 2021 wird die Teuerung im Jahresdurchschnitt mit 1,5 Prozent voraussichtlich genauso gering wie im Vorjahr ausfallen. Mit der Beschleunigung der Erholung ist für 2022 jedoch ein Anstieg der Inflation auf 1,9 Prozent zu erwarten.

« voriger   |   nächster » « zurück

Kommentar

Heidelberg verkauft Print Media Academy

Sie war und ist ein optisches Highlight, wenn man nach Heidelberg kommt und in Richtung Innenstadt fährt. Über Jahre hinweg war die von Hartmut Mehdorn initiierte PMA Treffpunkt für die Branche und Gastgeberin unzähliger Veranstaltungen, Präsentationen und Diskussionen. Die Immobilie wurde nun verkauft.

Anzeige

Umfrage

Beeinflussen die Auswirkungen des Coronavirus Ihre Geschäftsentwicklung?

Ja, massiv
Etwas
Gar nicht
Keine Meinung