Der (Öko)Frust der Papierindustrie

Veröffentlicht am: 31.03.2016

Das Wirtschaftsministerium will marode Ökostromanlagen mit weiteren zig Millionen Euro fördern. Eine Umsetzung dieses von der „Presse“ enthüllten Plans würde den Holzmarkt noch massiver verzerren. Schon die derzeitige Subventionspolitik hintertreibt jede wirtschaftlich nachhaltige Nutzung.

Ausgangspunkt der Pläne ist eine Forderung der Europäischen Union nach einem grundlegenden Umbau des Fördersystems in Österreich. Wenn nun das Wirtschaftsministerium Möglichkeiten sucht, davor noch maroden Ökostromanlagen weitere Millionen zukommen zu lassen, birgt dies Zündstoff für andere Branchen wie Konsumenten.

„Seit Jahren fordert die Papierindustrie das Umstellen von garantierten Einspeisetarifen auf Investitionsförderung. Das käme allen Stromkunden zugute“, meint dazu DI Gabriele Herzog, Geschäftsführerin der Austropapier. „Aber die Politik hat offenbar noch nicht genug Steuergeld verbrannt. Die jetzt bekannt gewordenen Pläne würden den auch längst von der EU beanstandeten Ökostromunsinn noch weiter vorantreiben“, kritisiert Herzog die Ökostrom-Förderpraxis.

846 Millionen Euro zahlten die Konsumenten 2014 bereits via Stromrechnung für die Förderung der Ökostromanlagen. Für 2017/18 prognostiziert die E-Control bereits 1,3 Milliarden Euro. Damit nicht genug, plant die ÖVP laut „Presse“ neue Steuergeschenke an ihre Klientel. Demnach sollen den Bauern für unrentable Biogasanlagen die Förderungen auf 20 Jahre verlängert werden oder eine saftige Schließungsprämie erhalten. Im Gegenzug werde die SPÖ mit einer Novelle zum Elwog (Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz) ruhiggestellt, die Solarenergie im urbanen Bereich – also vor allem in Wien – fördert.

Also wollen nun alle erneuerbaren Energieträger ein Stück von diesem Förderkuchen haben und scharren bereits in den Startlöchern. Auch Biomassekraftwerksbetreiber hoffen auf eine Verlängerung ihrer Einspeiseförderungen für unrentable Kraftwerke, was die Papierindustrie besonders stört. „Da herrscht das Motto: Gleiches Unrecht für alle. Seit Jahren verzerrt die Einspeisetarifförderung für die Holzverbrennung massiv den Holzmarkt. Das muss endlich aufhören. Holz ist zu wertvoll, um es zu verbrennen. Wir müssen unsere Rohstoffe so nutzen, dass die größtmögliche Wertschöpfung erzielt wird. Hier weiter Geld hineinzupumpen, wäre sowohl ökologischer als auch ökonomischer Wahnsinn“, wirbt Herzog für die kaskadische Nutzung von Holz in der Papierindustrie. Sie hat zu „Optimale Nutzung des Rohstoffs Holz“ auch eine Broschüre herausgegeben. Damit es nicht „noch richtig teuer“ wird, wie „Die Presse“ den E-Control-Chef Walter Boltz zitiert.

 

 

Foto: DI Garbiele Herzog © Austropapier, Lukas Dostal

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