Unternehmenspleiten bleiben auf hohem Niveau

Veröffentlicht am: 19.12.2012

Das Jahr 2012 brachte für Österreichs Unternehmen mit einem Zuwachs von nur etwas über zwei Prozent eine Stagnation auf hohem Niveau. Insgesamt wurden hochgerechnet 6.010 Unternehmen insolvent, das entspricht einer Zahl von 24 Unternehmen an jedem Gerichtstag. Die eröffneten Insolvenzverfahren stiegen gegenüber 2011 um 6,4 Prozent auf 3.492, wogegen die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren (und dadurch abgewiesenen Konkursanträge) um 3,5 Prozent auf 2.518 zurückgingen. Dieser Rückgang erklärt zu einem großen Teil den Zuwachs bei den eröffneten Verfahren.

 

Die Verbindlichkeiten der Unternehmen bei eröffneten Verfahren betrugen im Jahr 2012 drei Milliarden Euro, das sind 859.000 Euro pro Fall. Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer stieg um 8,3 Prozent auf rund 22.400 an aufgrund einiger größere Insolvenzfälle aus dem Retail-Bereich.  Durch das neue Sanierungsrecht ist die Zahl der Unternehmenssanierungen im Steigen begriffen. Dadurch verlieren bei weitem nicht alle 22.400 Personen ihre Jobs und es stellen nicht alle drei Milliarden Verbindlichkeiten automatisch einen Verlust dar. Der KSV1870 schätzt die tatsächlichen Forderungsverluste auf ca. 65 Prozent dieser Summe.

Überdurchschnittliche Zuwächse gab es im Burgenland mit über 34 Prozent und in Salzburg mit 17,1 Prozent. Die Bundesländer mit rückläufigen Zahlen sind auf Industrie und Exportwirtschaft ausgerichtet und haben vom noch guten Exportklima des Jahres 2012 profitieren können. Wien mit einem sehr guten Branchenmix zeigt erfahrungsgemäß eher geringe Schwankungsbreiten bei der Zahl der Insolvenzen (Steigerung von 1,7 Prozent).

 

Branchenentwicklungen

Unternehmensbezogene Dienstleistungen stehen immer wieder an erster Stelle der Anzahl der Insolvenzen, so auch 2012 mit Verbindlichkeiten von 598 Millionen. Es ist eine extrem kleinteilige Branche mit zigtausend Unternehmen, zu der sämtliche Beratungsleistungen, Immobilien- und Maklertätigkeiten sowie alle Holdinggesellschaften gehören.

Platz zwei nach Zahl der Fälle und Höhe der Passiva nimmt die Bauwirtschaft ein. Die Branche „Maschinen und Metall“ mit durchschnittlich 2,3 Millionen pro Insolvenzverfahren ist immer wieder ein Spitzenreiter, nach der Höhe der Gesamtschulden, aber auch pro Verfahren. 2012 lag nur Bergbau/Energie noch höher, da mehrere Energiehandelsunternehmen und Biokraftwerke insolvent wurden. Diese scheinen in der Liste der sieben größten Insolvenzfälle 2012 auf.

 

Ausblick auf das Jahr 2013

Die Probleme der Finanzkrise 2008 sind bei weitem noch nicht ausgestanden und der Aufschwung der vergangenen drei Jahre war in Teilen den Finanzspritzen der Regierungen zu danken. Solche Spritzen wird es voraussichtlich in diesem Umfang nicht mehr geben können, weshalb auf absehbare Zeit in Westeuropa mit nur schwachem Wirtschaftswachstum gerechnet werden muss. Durch diese Seitwärtsbewegung der Konjunktur ist mit einer weiteren Zunahme der Unternehmensinsolvenzen um ca. 5 bis 7 Prozent zu rechnen.

 

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