Medien in der Corona-Zeit

Veröffentlicht am: 01.09.2020

Die Corona-Krise ist gewaltig in der Medienwelt angekommen. Zu berichten gibt es genug. Aber nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich durch das werbeunfreundliche Virus massiv verändert. Die Digitalisierung schreitet schnell voran und damit auch verbunden die Art des Informationstransfers.
Wir haben in den letzten Wochen einige Video-Branchenkonferenzen besucht und während dieser Online-Konferenzen schriftlich Fragen gestellt. Konnten Fragen aufgrund der Zeitvorgaben nicht gleich beantwortet werden, so hieß es, würden die Antworten im Nachklang geliefert werden. Namhafte Unternehmen der Zulieferindustrie sind uns diese bis heute noch schuldig geblieben, denn sie hatten hinterfragenden bzw. kritischen Charakter. Auf diese Art und Weise wird es Unternehmen einfach gemacht, unangenehmen Fragen auszuweichen. Bei „echten“ Pressekonferenzen ist das nicht so leicht möglich. Dort soll gefragt werden, und wenn jemand nicht antwortet, dann schaut das ziemlich blöd aus.
Die ursächliche Aufgabe der Medien und damit auch der Fachzeitschriften ist eine konsequente, hinterfragende und natürlich auch kritische Berichterstattung. Das ist nicht immer einfach, vor allem in schwierigen Zeiten. Aber gerade deshalb ist es wichtig, dass Fachmedien auf all ihren Kanälen diesem Prinzip folgen und sich Respekt durch profunde Meinungsbildung verschaffen.
Mit Videokonferenzen bzw. ausschließlicher Videoberichterstattung ist es so eine Sache. Das ist einfach zu gestalten, benötigt relativ wenig Aufwand und lässt sich gut digital verteilen, sprich Meinungen werden schnell distribuiert. Und egal, ob es gut recherchiert ist oder nicht, der Stoff ist mal draußen. Ohne Zweifel bringt das Virus Verlagen und Medienmachern den Zwang zum Neu- oder Umdenken. Was im Prinzip ja nicht schlecht ist, denn es kann durch die herausfordernde Situation etwas Neues, Kreatives und Tolles entstehen.
Es gilt zu überlegen, wie sich (Fach-)Medien in Zukunft positionieren. Zurzeit liefern sich Unternehmen der Zulieferindustrie eine beinahe hysterisch inflationäre Schlacht an Webinaren, Videokonferenzen oder digitalen Messen als Ersatz für interpack, drupa, Fespa oder runtergefahrene Budgets. Ergänzt wird diese mediale Stalin-Orgel mit Video-Interviews, Online-Seminaren etc. plus noch den Produktpräsentationswahnsinn via LinkedIn und Co. Wer hält das aus bzw. konsumiert diese Inflation an digitaler PR? Vor allem wenn damit Unternehmen angesprochen werden, die in erster Linie derzeit darauf bedacht sind, ihre Unternehmen abzusichern und am Leben zu erhalten. Der Blick auf die Zugriffe gibt entwaffnende Antworten, und die vielen Likes kommen sehr oft von den Mitarbeitern der Veranstalter selbst.
Es ist zu wünschen, dass es in den kommenden Wochen zu einer Beruhigung kommt. Nicht nur in unserem Leben und sozialen Umgang, sondern auch in der Medienwelt. Wenn auch kostengetriebene Anbieter wieder zu der Einsicht kommen, dass 100 Prozent Social Media auch nicht das Wahre ist, sondern ein vernünftiger wertiger Medienmix. Und da stehen die Fachverlage mit ihren vielfältigen Medien(-kanälen) sehr gerne zur Verfügung. Und ja, klar… damit es auch ausgesprochen ist: Fachmedien sind Wirtschaftskörper, die ebenso wie viele andere Unternehmen Umsätze generieren, um ihren Publikationsaufgaben nachkommen zu können.

Herzlichst

Michael SEIDL
m.seidl@europeanmediagroup.at

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Medien in der Corona-Zeit

Die Corona-Krise ist gewaltig in der Medienwelt angekommen. Zu berichten gibt es genug. Aber nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich durch das werbeunfreundliche Virus massiv verändert. Die Digitalisierung schreitet schnell voran und damit auch verbunden die Art des Informationstransfers.

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