bvdm: Druckereien verlieren Aufträge wegen Papierpreise und Lieferengpässe

Veröffentlicht am: 13.03.2022

Angesichts der unvermindert hohen Papierpreise und Lieferengpässe zeigt sich der Bundesverband Druck und Medien e.V. (bvdm) einmal mehr besorgt über drohende Auswirkungen.

 

Unsere Gesellschaft funktioniert in vielen Bereichen über die Informationsvermittlung von gedruckten Medien, die rein digital nicht gewährleistet werden kann. „Eine Trendverstärkung weg von Print und hin zu digitalen Kanälen wäre für die Menschen, die Demokratie und für die Wirtschaft fatal“, warnt der Hauptgeschäftsführer des bvdm, Dr. Paul Albert Deimel. Es brauche deshalb dringend gemeinsamer Anstrengungen von Papierindustrie, Medien, Industrie und Handel, um es soweit nicht kommen zu lassen. Der bvdm und die Verbände der Papierlieferanten befinden sich daher in einem permanenten Austausch. Im besonderen Fokus stehen hier aktuell die Streiks in finnischen Papierfabriken von UPM. Sie haben am ersten Jänner begonnen, wurden zwischenzeitlich verlängert und dauern noch aktuell bis zweiten April an. Betroffen sind vor allem holzhaltige Rollendruckwaren (u.a. Magazin- und Katalogpapiere). Derzeit gibt es keine Anzeichen für eine baldige Beilegung des Konflikts. Und selbst bei einer sofortigen Lösung würde dies einen Ausfall von rund zwei Monaten bedeuten, da die Produktion erst wieder hochgefahren werden müsste. Dadurch verschärft sich die Situation, die bereits von hohen Strom- und Gaspreisen geprägt ist, zusätzlich. Der bvdm unterstützt daher den Appell der Papierhersteller an die Politik, der Höhe der Energiepreise auch zugunsten der mittelständischen Wirtschaft interventionistisch entgegenzutreten.
Der Verband erinnert in diesem Zusammenhang auch an die seit 2017 bestehenden Einfuhrzölle der EU-Kommission für Rollenpapiere und für LWC-Papiere/leichtgewichtige gestrichene Papiere aus China, gegen die er sich schon seinerzeit gewandt hat. „Wer immer noch meint, in der aktuellen Krise auf solche Sanktionen zum Schutz europäischer Produzenten setzen zu müssen, gefährdet die Wertschöpfungskette für Printprodukte endgültig. Die Versorgung mit bezahlbarem Papier muss jetzt im Vordergrund stehen“, so der Hauptgeschäftsführer des bvdm. (bvdm)

72 Prozent der Branchenbetriebe haben 2022 bereits Aufträge verloren

Eine aktuelle Kurzumfrage der Druck- und Medienverbände im Februar 2022 deckt die bedrohlichen Konsequenzen der Papierknappheit für die Branchenbetriebe auf. Denn auch in diesem Jahr ist die Branche massiv betroffen von einer bislang ungekannten Papierknappheit, unvorhersehbaren Preisentwicklungen, unverbindlichen Lieferterminen und langen Lieferfristen. 80 Prozent der Druck- und Medienunternehmen gaben in der Verbändeumfrage an, deutlich von der Situation auf den Papiermärkten beeinträchtigt zu sein, 21 Prozent bewerten die aktuelle Lage sogar als existenzgefährdend. 72 Prozent haben aufgrund der aktuellen Situation auch im Jahr 2022 Aufträge nicht annehmen können oder verloren und 70 Prozent erwarten eine dauerhafte Umsatzreduzierung durch die Abwanderung von Printaufträgen in digitale Alternativen. Die enormen Papierpreissteigerungen von zum Teil mehr als 50 Prozent im Jahr 2021 versuchen die Betriebe mit Verkaufspreissteigerungen gegenüber ihren Kunden zu kompensieren. Das gelingt rund 60 Prozent der Unternehmen bei mehr als der Hälfte ihrer Kunden − allerdings lediglich mit einer Kostendeckung von rund 60 Prozent. Bei ohnehin oft knappen Margen dürfte es vielen Betrieben schwerfallen, diese Lücke zu verkraften. Der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) sowie der Verband Druck Medien Österreich laden daher zu einem zweiten infoKompakt „Turbulenzen auf den Papiermärkten“ (online) ein.
Termin: 23.03.2022 von 16.00 bis zirka 17.30
Anmeldung (kostenfrei): www.bvdm-online.de/papiermarkt
Gesprächspartner auf der Veranstaltung sind:
Dr. Wolfgang Palm, Geschäftsführer der Papierfabrik Palm GmbH & Co. KG und Vorstandsmitglied des Verbandes DIE PAPIERINDUSTRIE und Stephan Krauss, Geschäftsführer der vph GmbH & Co. KG und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes des Deutschen Papiergroßhandels e.V. Sie liefern Erklärungen für die schwierige Situation auf den Papiermärkten. Informiert wird über Zusammenhänge und Hintergründe, gleichzeitig bietet die Veranstaltung Argumente und Hilfestellungen für Kundengespräche. Durch die Veranstaltung führt Dr. Paul Albert Deimel, Hauptgeschäftsführer des bvdm. (bvdm)

   
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