Rewe Deutschland stellt Handzettel ein: Ein Gewinn für die Umwelt?

Veröffentlicht am: 02.08.2022

Nach Obi nun auch das: Als erster Lebensmittelhändler in Deutschland plant Rewe Deutschland den Ausstieg aus der Prospektwerbung. Und zwar im Sommer 2023.

 

Und dies, obwohl eine Vielzahl deutscher Konsumenten wie auch in Österreich, den Handzettel immer noch zur Kaufvorbereitung nutzt. Warum macht man das? Peter Maly, Bereichsvorstand Rewe Group, meint dazu: Unser Unternehmen verschreibt sich seit Jahren in seiner Unternehmensstrategie konsequent der Nachhaltigkeit und transformiert in diesem Sinn sukzessive und erfolgreich ihre Prozesse und Angebote. Vor allem auch mittels Digitalisierung – dort wo sich für Kunden Mehrwert ergibt. Im Rahmen von Tests in verschiedenen Rewe-Regionen haben wir in den letzten Monaten erfolgreich den Einsatz von verstärkter Preiskommunikation über digitale Kanäle anstatt des gedruckten Handzettels im Markt erprobt. Insofern sind wir bereit, den gedruckten Handzettel im Sommer 2023 für alle Rewe Märkte einzustellen und damit auch einen signifikanten Beitrag für Umwelt, Klima und Energieeinsparung zum Klimaschutz durch Ressourcenreduktion zu leisten.“ „Der Effekt zum Wohl für Umwelt, Klima und Ressourcenschonung ist immens“, so Maly. Rewe lässt aktuell wöchentlich rund 25 Millionen Handzettel verteilen. Dafür wurden 2021 mehr als 73.000 Tonnen Papier produziert und bedruckt. „Papierproduktion und Druck sind besonders energieintensiv und sind für 90 Prozent des CO2-Fußabdrucks von Handzetteln verantwortlich. Insofern ist die beste Werbung für die Akzeptanz der Entscheidung der Gewinn für die Umwelt.“ Die Einsparpotenziale infolge der Umstellung auf die digitale Handzettelkommunikation werden an folgenden Vergleichen seitens Rewe pro Jahr argumentiert: Wir belassen mit der Einstellung des Handzettels rund 390.000 Quadratmeter Holz in der Umwelt, das entspricht der verbauten Holzmenge von 356 Rewe Green Farming-Märkten. Die Umstellung spart außerdem 1,1 Millionen Kubikmeter Wasser und gut 70.000 Tonnen CO2, das entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von mehr als 60.000 Pkw mit Verbrennungsmotor. Bei Energie sparen wir pro Jahr rund 380 Millionen kWh, das entspricht dem Jahresstromverbrauch von 100.000 Vier-Personen-Haushalten. Bis zur Umstellung im Sommer 2023 wird man den Handzettel in gewohnter Form für Kunden und Marktauslage weiterhin produzieren und verteilen. „Aufgrund der angespannten Papiersituation und um heute bereits nachhaltiger zu werden, wird der gedruckte Handzettel noch in diesem Jahr in Auflage und Seitenanzahl reduziert und in ein schmaleres Format überführt“, so Maly. In einem ersten Schritt wird Rewe bereits im August 2022 die Auflage der Papier-Handzettel um rund vier Millionen Stück reduzieren. Die gestiegenen Papierpreise dürften wohl auch ein Grund sein, dass Rewe Deutschland diese Entscheidung so vorantreibt.

Ergebnis einer einjährigen, regionalen Testphase
Peter Maly dazu: „Der gedruckte Papier-Handzettel hat im Mix des Handelsmarketings eine lange Handelstradition. Trotzdem wollen wir neben den nachhaltigen Aspekten in Zukunft auch sicherstellen, dass wir Kunden aller Altersklassen erreichen. Insofern waren Tests in unseren Märkten unausweichlich. Denn nur so konnten wir unmittelbar die Reaktion unserer Kunden messen und auswerten.“ Rewe hat während der Testphasen verschiedene Kanäle der Angebotskommunikation angeboten. Hierbei erhöhte und reduzierte man die Nutzung einiger Kanäle – sowohl klassisch als auch digital – vorübergehend. Natürlich gab es in den Märkten Rückfragen von Kunden, die den Handzettel vermissten. „In Summe war das überschaubar und Anfragen wurden in den Testmärkten konsequent beantwortet und erklärt. Selbstverständlich wird es auch in Zukunft wöchentlich die über 200 Rewe-Sonderangebote geben, nur nicht mehr gedruckt, sondern umweltfreundlich auf digitalen Kanälen wie beispielsweise die Rewe App sowie zahlreiche Coupons und Vorteile. Das hat dann auch die kritische Kundschaft überzeugt.“
Nach Schätzungen des Kölner Marktforschungsinstitutes IFH beträgt der Anteil der wöchentlichen Prospektleser im LEH rund 50 Prozent. Wie möchte Rewe die Kunden künftig mit Angeboten erreichen? „Wir gehen mit der Zeit und werden in Zukunft auch ohne den gedruckten Handzettel die gesamte Kundschaft vollumfänglich erreichen. Mit der zunehmenden Digitalisierung haben sich die Medienkanäle und damit die Möglichkeiten, Werbung effizient und ressourcensparsamer zu platzieren, erhöht. Gleichzeitig haben sich der Medienkonsum und mit ihm die Wege, wie Kaufentscheidungen getroffen werden, gewandelt.“
Das was hier nun in Deutschland mit dem Argument der Nachhaltigkeit argumentiert, betrifft vorerst einmal den deutschen Markt. Bei Rewe Österreich plant man weiter auf die Prospektwerbung zu setzen und hat auf unsere Anfrage folgendes Statement gesendet: „Die Rewe Group in Österreich ist ständig darum bemüht, ihre Kunden bestmöglich über Produkte und Dienstleistungen zu informieren. Dies erreichen wir über unterschiedliche Kanäle und Medien: von traditionellen Flugblättern bis hin zu digitalen Kanälen wie den Webseiten und Apps unserer Handelsfirmen. Eine Entscheidung zur Abschaffung der Flugblätter/Werbeflyer in Papierform – wie von den Kollegen in Deutschland angekündigt – liegt in Österreich allerdings nicht vor.“ Die Druckpartner hierzulande können also – noch – aufatmen.

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