Alarmruf der Papierfabriken

Veröffentlicht am: 18.10.2021

Österreichs Papierfabriken geraten durch die global rasant wachsenden Rohstoff- und Energiepreise in einen Teufelskreis, der schon zu Irritationen der Druckereibranche geführt hat.

Deshalb unterstreicht die Papierindustrie ihre langjährige Forderung nach Maßnahmen zur Standortsicherung mit zuverlässigen und wettbewerbsfähigen Rohstoff- und Energiekosten. „Wir sind ein Spielball globaler Entwicklungen“, sagt Gabriele Herzog als Geschäftsführerin von Austropapier, der Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie. Wir versuchen einerseits in Gesprächen mit der Druckbranche, Verständnis zu erreichen und andererseits der breiten Öffentlichkeit die verzwickte Situation zu erklären: „Der enorme Aufschwung aus der Corona-Krise führt zu erheblichen Problemen in den Produktionsketten der Industrie. Auch für Papier und Print gibt es Preisexplosionen und Versorgungsengpässe.“ Denn Altpapier, Zellstoff und Gas sind Mangelware. Dazu kommen noch Strompreise auf Höchstständen.
Mit dem Ende vieler Corona-Maßnahmen im Frühsommer stieg auch die Nachfrage nach Papier an – nicht nur im Verpackungsbereich sondern auch bei den Printmedien. Dieses ruckartige Anziehen der Konjunktur hat die ganze Lieferkette ungewöhnlich stark aus dem Gleichgewicht gebracht. Der Ziehharmonika-Effekt durchläuft alle Glieder der Wertschöpfungskette. Herzog nennt dazu Beispiele: „Die hohe Nachfrage bei den Print-Kunden führt zu geleerten Lagern in den Druckereien, bei den Händlern und den Papierfabriken. Diese wiederum bekommen Zellstoff und Altpapier nur teuer, wenn überhaupt. Überdies wird das hörbare Ruckeln in der Papierkette noch durch Engpässe in der Logistik verstärkt.“
Zu dieser Mengenentwicklung, die sich seit dem Frühjahr aufgebaut hat, kommt jetzt noch ein Kostenschub mit bedrohlicher Geschwindigkeit. Erhöhte Nachfrage bei Papier führt auch zu steigendem Bedarf an Rohstoffen, Energie und Arbeitskraft. Bei fast allen Faktoren gibt es zurzeit Kostenerhöhungen. Aktuell rücken vor allem die Gas- und Strompreise in den Fokus, die sich innerhalb weniger Wochen verdreifacht haben, beziehungsweise um 60 Prozent gestiegen sind. Bei einem Jahreseinkauf von rund 600 Millionen Kubikmetern ist das besonders für Werke, die von Gas abhängig sind, eine bedrohliche Situation.
Zum Problem tragen auch übliche Vertragsmodalitäten bei. Für viele Produkte und wichtige Kunden sind Liefer- und Preisverträge ein Jahr gültig. Auf der anderen Seite werden zusätzliche Energie-Kontrakte kurzfristig, zu tagesaktuellen Preisen, vereinbart. Einige Werke haben also aktuell Lieferverpflichtungen zu horrenden Einkaufspreisen. Jeder Wirtschaftsstudent lernt, dass Unternehmen, deren variable Kosten über den Erlösen liegen, schon bald große Probleme bekommen.

   
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