Keine Feierlaune bei Österreichs Wellpappe-Industrie

Veröffentlicht am: 22.04.2026

2025 war, wie schon die Jahre zuvor, für die heimische Wellpappe-Industrie ein herausforderndes Jahr: Volatile Rohstoffpreise, hohe Energiekosten und eine gedämpfte Konsumlaune setzten die Betriebe unter Druck.

 

Das Produktionsvolumen sank im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent auf 709 Millionen Quadratmeter, der Umsatz konnte mit 509 Millionen Euro ein minimales Plus von 0,7 Prozent erreichen. „Die Lage bleibt angespannt. Die stabile Nachfrage nach Wellpappe-Verpackungen ist erfreulich, aber die Kosten gehen weiter deutlich nach oben“, sagt Stephan Kaar, Sprecher des Forum Wellpappe Austria. Die Unternehmen der österreichischen Wellpappe-Industrie müssen sich in einem Markt behaupten, der von hohen Personal- und Produktionskosten (Stichwort Energiepreise) sowie großen wirtschaftlichen Schwankungen geprägt ist.

Systemrelevanz für stabile Lieferketten
Mit nachhaltigen Verpackungslösungen leistet die Wellpappe-Industrie einen unverzichtbaren Beitrag zu sicheren Lieferketten für Industrie, Handel und Bevölkerung. Wichtigste Abnehmer sind Lebensmittel- und Getränkehersteller mit rund 46 Prozent, gefolgt von langlebigen Gütern wie Maschinen, Möbel, Elektronikteilen und Automotive (20 Prozent) sowie E-Commerce-Verpackungen (rund 9 Prozent). 42 Prozent der in Österreich produzierten Wellpappe gehen in den Export.

Preisrallye bei Energie, Rohstoffen und Logistik
Für 2026 erwartet die Wellpappe-Branche weiteren Druck. „Wir sehen eine Preisrallye bei Energie, Rohstoffen und Logistik, getrieben durch internationale Krisen. Die kommenden Monate sind schwer kalkulierbar“, so Kaar. „Dank starker regionaler und europäischer Lieferketten sowie hoher Recyclingquoten ist die Versorgung aktuell gesichert“, betont der Branchensprecher. Gleichzeitig wächst der bürokratische Aufwand durch neue EU- und nationale Vorgaben deutlich. Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt, dass regulatorische Anforderungen mittlerweile zu den großen Belastungsfaktoren zählen, gleichauf mit den stark gestiegenen Arbeitskosten.

PPWR als Chance für den Kreislauf
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die ab August 2026 zur Anwendung kommt, bietet auch Chancen für eine harmonisierte Kreislaufwirtschaft. „Bei sachgerechter Umsetzung stärkt sie nachhaltige Wellpappe-Lösungen“, so Kaar. Wellpappe erfüllt bereits heute wichtige EU-Ziele: Sie besteht durchschnittlich zu 88 Prozent aus Recyclingpapier, wird in Österreich zu mehr als 90 Prozent recycelt, und ihre Fasern können bis zu 25-mal wiederverwendet werden. „Wellpappe ist ein Paradebeispiel für nachhaltiges Verpacken.“

Attraktive Arbeitgeber
Die sieben Unternehmen des Forum Wellpappe Austria beschäftigen rund 1.600 Mitarbeiter und bilden jährlich rund 70 Lehrlinge aus. Ein Highlight sind die Wellpappe Adventure Days mit Sport, Spaß und Teambuilding für den Nachwuchs. „Die Wellpappe-Branche ist ein attraktiver Arbeitgeber“, sagt Horst Santner vom Forum Wellpappe Austria. „Doch auch hier setzen die anhaltend hohen Personalkosten unsere Betriebe massiv unter Druck. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Gehälter um insgesamt 27 Prozent gestiegen. Das können wir durch Produktivitätssteigerungen bei weitem nicht wettmachen“, so Santner. Ohne wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen drohen Nachteile für den Standort Österreich und die Betriebe. Die österreichische Wellpappeindustrie investiert weiterhin konsequent in moderne Produktionsprozesse. „Gemeinsam mit unseren Kunden arbeiten wir laufend an innovativen Verpackungslösungen, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch überzeugen“, sagt Horst Santner. Die innovativen Verpackungen und Displays werden jedes Jahr mit dem Wellpappe Austria Award ausgezeichnet.

woom bikes setzt auf nachhaltige Transportverpackung
„Als Kinder- und Jugendfahrradhersteller tragen wir Nachhaltigkeit in unserer DNA“, sagt woom bikes Co-Founder Marcus Ihlenfeld. „Zum einen ist unser Produkt ein Vehikel, um die Freude am Radfahren und an aktiver, klimafreundlicher Fortbewegung zu verbreiten. Zum anderen wollen wir unseren Kindern eine lebenswerte und nachhaltige Welt hinterlassen und ihnen haltbare Produkte in die Hand geben, die unter fairen Bedingungen hergestellt wurden.“ Woom, mit Hauptsitz in Wien, ist mit einem Umsatz von 150 Millionen Euro heute weltweit in über 40 Ländern vertreten, und bereits mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche fahren auf woom bikes.

Ausblick 2026: herausfordernd, aber widerstandsfähig

Die Wellpappe-Industrie hat in der Vergangenheit wiederholt Krisen gemeistert, doch die Summe aus steigenden Papier-, Energie- und Personalkosten erreicht mittlerweile eine Größenordnung, die selbst eine leistungsfähige Branche nicht mehr dauerhaft kompensieren kann. „2026 wird herausfordernd. Aber wir setzen auf unsere Stärken: Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung“, so Stephan Kaar, Sprecher des Forum Wellpappe Austria.

Kommentar

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