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Konsolidierung und Marktmacht am deutschen Zeitungsmarkt

Veröffentlicht am: 01.06.2025

Die deutsche Zeitungslandschaft befindet sich im Jahr 2025 in einem komplexen Spannungsfeld zwischen Digitalisierung, gesellschaftlicher Relevanz und Herausforderungen für die Pressefreiheit. Die renommierte „Stuttgarter Zeitung“ hat durch die Neue Pressegesellschaft Ulm einen neuen Eigentümer gefunden.

Damit wird einer der größten deutschen Medienkonzerne - die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) - aufgespalten. Nach jahrelangem zähem Ringen haben sich die Gesellschafter der Südwestdeutschen Medienholding darauf geeinigt. Die Neue Pressegesellschaft wird vorbehaltlich der kartellrechtlichen Freigabe die Mehrheit (von 82 Prozent) an der Medienholding Süd in Stuttgart übernehmen. Darin bündelt die SWMH ihr Regionalzeitungsgeschäft in Baden-Württemberg, dazu zählen Titel wie die Stuttgarter Zeitung, die Stuttgarter Nachrichten und deren Lokalausgaben sowie die Eßlinger Zeitung, der Schwarzwälder Bote und die Kreiszeitung Böblinger Bote. Mit der Integration der Zeitungstitel der Medienholding Süd erreicht die Neue Pressegesellschaft Ulm nach eigenen Angaben künftig eine verkaufte Auflage von rund 500.000, zusammen mit den Partnerverlagen eine Auflage von rund 700.000 Exemplaren. In der Neuen Pressegesellschaft erscheinen bereits die Titel Südwest Presse, Märkische Oderzeitung und Lausitzer Rundschau. In der gesamten Unternehmensgruppe des Medienhauses arbeiten derzeit rund 1.700 Beschäftigte (ohne Zustellerinnen und Zusteller) in den Geschäftsbereichen Verlag, Redaktion, Medienservice, Online, Radio, Dienstleistungen, Veranstaltungs-Management, Druck sowie Distribution und Logistik. Vorsitzender der Geschäftsführung ist Andreas Simmet. Eine Konstellation, die die Rahmenbedingungen für die deutsche Regionalzeitungen prägen kann. Im Südwesten sowieso. Die SWMH beabsichtigt aber noch einen weiteren Unternehmensbereich im Gesellschafterkreis zu konsolidieren, wie es in einer Mitteilung der Medienholding heißt. So plane der Verbund der Medien Union Ludwigshafen um Verleger Thomas Schaub, den Unternehmensbereich Fachinformation von der SWMH zu übernehmen und eigenständig weiterzuführen. Zur Medien Union gehört unter anderem die Rheinpfalz. Das bedeutet nicht nur in Baden-Württemberg noch mehr Konzentration und Ringen bei der Vermarktung von Content. Der Verdrängungswettbewerb im schrumpfenden Werbemarkt über alle multimedialen Vertriebskanäle hinweg wird sich weiter verhärten.

Allgemein setzt sich der Trend zum E-Paper fort: Täglich werden über 2,8 Millionen digitale Ausgaben verkauft, wobei der digitale Auflagenzuwachs bei rund acht Prozent pro Jahr liegt. Die digitalen Erlöse reichen trotz Wachstum noch bei weitem nicht aus, um das geforderte Gesamtportfolio wie Podcasts, TV-Beiträge oder aktuelle Videos tagesaktuell dem zahlungsbereiten Medienkunden bieten zu können. Print wird trotz des vorhersehbaren Rückgangs noch weiter gebraucht werden, und dies nicht nur zur Markenführung, sondern um wirtschaftlich überleben zu können. Der Vertrieb der gedruckten Zeitung ist dabei zu schmerzenden Achillesferse geraten. Sinkende Personalverfügbarkeit und die politisch verordnete Mindestlohnsteigerung verfestigen dieses Problem dramatisch. Ein Zukunfts-Szenario könnte eine Zeitung bieten, die wochentags mit erstklassigem Digitaljournalismus 24/7 überzeugt und am Wochenende ein Magazin anbietet, das mit tiefgehenden Kommentaren und Leseangeboten erscheint. Damit kann der Gratis-Mentalität der Kunden und gegen die in Deutschland steuerfrei agierenden Tech-Giganten wie Meta, Google, Facebook, Instagram etc. entgegengewirkt werden.

Prof. Ing. Karl Malik ist Herausgeber des PreMedia Newsletter