Kurzarbeit gut, Fixkostenzuschuss mangelhaft

Veröffentlicht am: 22.06.2020

90 Prozent der Druckereien in Österreich haben die Kurzarbeit in Anspruch genommen, 68 Prozent der Druckereien planen, die Kurzarbeit für weitere drei Monate bis Herbst zu verlängern.

Dennoch federt die Kurzarbeit nur rund zwei Drittel der aktuellen Umsatzverluste seit Mitte März ab. Das zeigt die aktuelle Branchenauswertung des Verband Druck & Medientechnik. Der Branchenverband sieht zudem investitionsstarke Branchen beim Fixkostenzuschuss grob benachteiligt. „Die Kurzarbeit ist eine echte Hilfe für die Druckereien, der Fixkostenzuschuss geht jedoch an der Realität und den Bedürfnissen von produzierenden und investitionsintensiven Unternehmen vorbei“, sagt Peter Sodoma, Geschäftsführer des Verband Druck & Medientechnik. Normalerweise erwirtschaften die österreichischen Druckereien einen Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro. Doch statt dem normalerweise positiven Cashflow verzeichnen die Druckereien derzeit ein Minus. Im Durchschnitt fehlen jeder Druckerei 210.000 Euro. Das zeigten die aktuellen Branchendaten.
Die Kurzarbeit federt etwa zwei Drittel der Verluste ab. „Aber beim Fixkostenzuschuss fällt unsere Auswertung ernüchternd aus. Er bringt wenig bis fast gar nichts“, so Sodoma. Den Grund ortet der Verband Druck & Medientechnik darin, dass das Anlagevermögen und dessen Abnutzung in den Berechnungen für den Zuschuss nicht berücksichtigt wird. Druckereien investieren rund fünf bis sechs Prozent des Jahresumsatzes in den Betrieb, sei es in Druckmaschinen, Energiesparmaßnahmen, EDV und Software zur Digitalisierung und Automatisierung. In jeder Druckerei stehen in der Regel Druckmaschinen im Wert von mehreren Millionen Euro. Schon eine einzige 4-Farben-Offset-Druckmaschine kostet zwischen 400.000 und einer Million Euro netto. Kommt noch ein Druckwerk, also eine zusätzliche Farbe, dazu oder andere Sonderwünsche, dann klettern die Preise weiter nach oben.
Für den Fixkostenzuschuss können zwar Finanzierungskosten berücksichtigt werden, nicht aber der durch die Nutzung entstehende Wertverlust der Maschinen. „Während bei verderblicher Ware und Saisonware bis zu 50 Prozent des Wertes ersetzt werden, schauen Produktionsbetriebe bei ihrem Anlagevermögen durch die Finger. Das ist eine große Benachteiligung aller Produktionsbetriebe“, betont Sodoma. Zumal gerade Kataloge, Flyer, Einladungen, Messeausstattung, Roll-ups oder Mailings ebenfalls Saisonware seien. Findet der Werbeanlass nicht statt, benötigen die Kunden auch keine Druckprodukte.
Während Dienstleister und Handel die Auswirkungen der Corona-Pandemie unmittelbar spürten, kam die Krise erst mit Verzögerung bei den Druckereien an. Für das zweite Quartal erwartet die Branche weiterhin einen deutlichen Umsatzrückgang. Die Mehrheit der Unternehmen erwartet ein Minus von mehr als 50 Prozent. „Viele Druckereien konnten zunächst noch die bestehenden Aufträge abarbeiten und ausliefern. Das ist typisch für produzierende Gewerbe. Dafür wird es hier noch deutlich länger als in anderen Branchen dauern, bis der Motor wieder angelaufen ist“, erklärt Sodoma die Zahlen.
Der Verband Druck & Medientechnik befragte im April und Mai alle Mitglieder via Online-Umfrage, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf ihr Unternehmen hat. Gemeinsam mit den Daten der KMU Forschung, der Statistik Austria sowie interner, betriebswirtschaftlicher Berechnungen der Förderungen entstand so ein aussagekräftiges Bild über den Branchenstatus. Berechnet wurden die Auswirkungen der Förderungen auf Basis eines durchschnittlichen Umsatzrückgangs von 60 Prozent über sechs Monate.

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